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Wie sich Markenkommunikation im Zeitalter der KI-Suche verändert
Die Spielregeln digitaler Sichtbarkeit verändern sich grundlegend. Wer bislang vor allem auf SEO und gute Google-Rankings gesetzt hat, steht vor neuen Herausforderungen. Denn längst entscheidet nicht mehr nur Google, wer im digitalen Raum sichtbar ist. KI-basierte Websuchen wie ChatGPT, Perplexity, Gemini oder auch die Google AI Overviews bewerten Marken nicht allein auf Basis ihrer Website, sondern auf Basis ihrer gesamten digitalen Präsenz. Zwei Begriffe gewinnen dabei deutlich an Bedeutung: die Brand Visibility und die Reference Rate.
Warum das Thema wichtig wird
KI-Suchen funktionieren anders als klassische, stark Keyword- und Algorithmus basierte Websuchen. Sie greifen auf vielfältige Quellen zurück und bilden daraus ein Gesamtbild. Dazu zählen Websites, Branchenverzeichnisse, PR-Artikel, Studien, Social-Media-Inhalte und Erwähnungen auf Drittseiten. Sichtbar wird nicht mehr nur, wer seine Website optimiert, sondern wer digital präsent ist, verlinkt oder zitiert wird und im relevanten Kontext erscheint.
Früher reichte eine gut optimierte Website für Sichtbarkeit. Heute zählen auch all jene Informationen, die andernorts über die Marke erscheinen. Entscheidend ist, ob die Marke erwähnt, eingeordnet und in einem thematischen Zusammenhang wiedergegeben wird. Allein das steigert die Sichtbarkeit in KI-Systemen, unabhängig vom direkten Websitebesuch.
Brand Visibility – Sichtbarkeit jenseits der Website
Brand Visibility beschreibt die Präsenz einer Marke über alle relevanten digitalen Kanäle hinweg. Dazu gehören:
- Eigene Inhalte: Website, Blog/Insights, Newsletter, Whitepaper, Videos
- Externe Plattformen: Fachportale, Verzeichnisse, Bewertungsseiten
- Kommunikationskanäle: Social Media, Pressearbeit, Podcasts
- Erwähnungen und Verlinkungen: Artikel, Studien, Interviews, Eventseiten
- Weitere Signale: strukturierte Daten, Partnerschaften, Konferenzbeiträge
Diese Quellen fließen in KI-Antworten ein, wenn es etwa heißt: Welche Anbieter für XY sind empfehlenswert?
Reference Rate – Qualität zählt mehr als Quantität
Die Reference Rate misst, wie oft eine Marke in unabhängigen Quellen erwähnt wird, mit oder ohne Verlinkung. Dabei zählt nicht jede Nennung gleich. Wichtig sind Qualität der Quelle, thematischer Kontext und inhaltliche Relevanz.
Digitale Sichtbarkeit wird zum Teamthema
Die Brand Visibility und die Reference Rate sind keine reinen SEO-Aufgaben. Sie entstehen dort, wo PR, Marketing, Content, Social Media und SEO ineinandergreifen:
- PR sorgt für Sichtbarkeit in Medien und Gesprächen
- Marketing schafft Relevanz und Aufmerksamkeit
- SEO bringt Struktur, technische Qualität und Kontext zusammen
- Content vermittelt Expertise im passenden thematischen Rahmen
- Social Media sorgt für Reichweite und Nahbarkeit
Alle Bereiche tragen dazu bei, dass eine Marke in KI-Tools erscheint und dort als relevant wahrgenommen wird.
Sichtbar ohne Klick – wie KI-Nutzerinnen und -Nutzer reagieren
Ein zentraler Unterschied zu klassischen Suchmaschinen: Viele Nutzerinnen und Nutzer klicken in KI-Antworten gar nicht auf Links, sofern überhaupt welche angezeigt werden. Stattdessen bleibt der Markenname hängen, weil er im passenden Kontext immer wieder auftaucht. Das führt zu mehr Direktzugriffen (Direct Traffic) oder gezielten Markensuchen (Brand Searches), auch ohne direkten Klick. Ziel ist nicht nur, in Ergebnissen aufzutauchen, sondern im Kopf der Nutzerinnen und Nutzer präsent zu sein.
Eine mögliche Buying Journey im KI-Zeitalter
Ein:e Gebäudeplaner:in sucht nach einem energieeffizienten Lüftungssystem für die Sanierung eines Bürogebäudes. Gefragt ist eine Lösung, die sich einfach in den Bestand integrieren lässt, möglichst leise arbeitet, sensorbasiert regulierbar ist und über digitale Schnittstellen für die Gebäudeautomation verfügt. Statt sich durch zahlreiche Herstellerseiten zu klicken, werden die spezifischen Anforderungen direkt an ein KI-System gestellt. In der Antwort taucht ein Anbieter auf, der zuvor nicht bekannt war, nicht wegen eines Top-Rankings, sondern weil er exakt diese Kriterien erfüllt.
Warum wurde das Unternehmen mit seinen Lösungen genannt? Er stellt fachlich detaillierte Informationen bereit, wird in Fachartikeln erwähnt, ist auf BIM-Portalen (Building Information Modeling – digitale Planungsplattformen für Bauprojekte) gelistet und betreibt eine gut strukturierte FAQ-Sektion. Sichtbarkeit entsteht hier nicht durch Werbung oder klassische SEO, sondern durch eine ganzheitliche digitale Präsenz im richtigen fachlichen Kontext.
Was die „neue Sichtbarkeit“ möglich macht
Digitale Sichtbarkeit wird komplexer, aber auch fairer, gezielter und strategischer nutzbar:
- Fairness: Auch kleinere Marken können durch Qualität und Kontext überzeugen, ohne riesige Budgets.
- Aber auch höhere Anforderungen: Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Inhalte und Präsenz über viele Kanäle hinweg, was kleinere Unternehmen schnell überfordern kann, wenn ihnen die Ressourcen oder das Know-how fehlen.
- Autorität: Fachlich fundierte Inhalte stärken die Wahrnehmung als Expertin oder Experte
- Kontextsichtbarkeit: Wer in verschiedenen Zusammenhängen erscheint, wird sichtbarer
- Zielgenauigkeit: Marken erscheinen dort, wo sie fachlich hingehören
- Verankerung: Marken bleiben im Kopf und sorgen später für gezielten Traffic
Fazit:
Digitale Sichtbarkeit entwickelt sich weiter. Wer seine Marke konsistent positioniert, hochwertige Inhalte liefert und in relevanten Kontexten erscheint, wird nicht nur von Menschen besser wahrgenommen, sondern auch von KI-Systemen. Und genau das wird zum neuen Maßstab für Relevanz im digitalen Raum.
Dabei handelt es sich um einen fundamentalen Wandel: Sichtbarkeit entsteht nicht mehr primär durch eine gut optimierte Website, sondern durch die Marke als Ganzes. KI-basierte Systeme bewerten nicht nur Seiteninhalte, sondern das gesamte digitale Umfeld, in dem eine Marke präsent ist – über Medien, Plattformen, Studien, Social Media und mehr.
Was früher als Aufgabe der SEO galt, wird heute zur gemeinschaftlichen Verantwortung von Kommunikation, PR, Marketing, Content und Technik. Das macht Markenführung anspruchsvoller, aber auch ganzheitlicher. Sichtbarkeit wird zum Ergebnis vieler Signale, nicht nur einzelner Maßnahmen. Wer diesen Wandel erkennt und aktiv gestaltet, stärkt seine digitale Position langfristig – nicht nur in Rankings, sondern im Bewusstsein der Nutzerinnen und Nutzer.
In Zusammenarbeit mit [am] kommunikation haben wir einen hybriden Ansatz aus SEO, GEO und Kommunikation entwickelt, der Sichtbarkeit in klassischen Suchsystemen und KI-basierten Plattformen strategisch stärkt und externe Signale gezielt einbindet. Hier erfahren Sie mehr …
